Der Leibniz-Nachlass – Ein bedeutendes Erbe


Der überaus umfangreiche Briefwechsel von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716), der als Teil des Nachlasses des Gelehrten in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover aufbewahrt wird, ist von der UNESCO im Jahr 2007 zum Weltdokumentenerbe ernannt worden. Mit diesem 1992 ins Leben gerufenen Programm verfolgt die UNESCO das Ziel, das dokumentarische Erbe der Menschheit zu erhalten und auf informationstechnischem Wege weltweit zugänglich zu machen.

Leibniz’ Briefwechsel stellt ein einzigartiges Zeugnis der europäischen Gelehrtenrepublik im Übergang vom Barock zur frühen Aufklärung dar. Er enthält rund 15.000 Briefe mit 1.100 Korrespondenzpartnern weltweit. Insgesamt umfasst der Leibniz-Nachlass ca. 50.000 Nummern mit rund 200.000 Blättern. Zum Nachlass gehören auch Leibniz’ Bibliothek und das einzig erhaltene Exemplar der von ihm konstruierten Vier-Spezies-Rechenmaschine.

In globaler Sicht liegt die Bedeutung des Briefwechsels in der Weite der in ihm dokumentierten Beziehungen. Er spiegelt das Hineinwachsen Russlands nach Europa in der Zeit Zar Peters I. ebenso wie den Kulturaustausch mit China. Der Leibniz-Briefwechsel markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung von Technik und Denken. Leibniz etablierte ein weltweites Korrespondentennetz, das Hannover zu einem Mittelpunkt der wissenschaftlichen Gemeinschaft machte. Die Briefe reflektieren aber nicht nur die wissenschaftlichen und politischen Entwicklungen der Zeit, sondern zeugen auch von den Gedankengängen eines Genies.

Der Briefwechsel stellt ein Gründungsdokument der europäischen Moderne dar. Die Gelehrtenwelt des späten 17. Jahrhunderts wurde von der Utopie einer Weltgesellschaft getragen, innerhalb derer eine von einem rationalen Ethos geprägte Weltbürgergesellschaft die intellektuellen Vermächtnisse der Zivilisationen zu einer höheren kulturellen Einheit zusammenführt. In unvergleichlicher Weise zeugt der Briefwechsel von den Bemühungen um die Konstituierung einer Weltgesellschaft des Wissens und der Vernunft.