Binärcode

Gottfried Wilhelm Leibniz, Brief an Rudolph August,
Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, sog. Neujahrsbrief, 12. Januar 1697,
Briefseite
GWLB: LBR II 15, Bl. 19v

Leibniz hatte bereits im Mai 1696 in einem persönlichen Gespräch mit Herzog Rudolph August seinen Gedanken des Zusammenhangs der »imago creationis« (Abbild der Schöpfung) und des binären Zahlensystems - also einem Dualsystem, welches einzig aus den Ziffern 0 und 1 besteht - erläutert. Im Januar 1697 beschreibt er in seinem heute als „Neujahrsbrief“ bekannten Schreiben an den Herzog diesen Zusammenhang zwischen mathematischen Strukturen und der theologisch-philosophischer Weltdeutung in schriftlicher Form. Hierbei interpretierte Leibniz sein duales Zahlensystem im Sinne der Schöpfung: Aus dem Nichts (also der Null) und Gottes Wort (also der Eins) sei die gesamte Welt entstanden. Dies bringt er in dem Satz „omnibus ex nihilo ducendis sufficit unum“ (um alles aus dem Nichts herzuleiten, genügt Eines) auf den Punkt. Am linken Rand der Briefseite ist der von Leibniz entwickelte Binärcode in Form einer Zahlenpyramide zu erkennen.