Braunschweig – Wolfenbüttel

Bereits vor seinem Amtsantritt in Hannover im Dezember 1676 hatte sich Leibniz 12 Jahre zuvor schon einmal auf welfischem Gebiet befunden, nämlich in Braunschweig.  Im März 1664 suchte der damals 18-jährige Leibniz  dort seinen Onkel, den Juristen Dr. Johann Strauch auf, um sich nach dem Tode seiner Mutter in Erbschaftsangelegenheiten von ihm beraten zu lassen. Strauch, damals Syndikus in Braunschweig und später Professor der Rechte in Gießen, beriet seinen Neffen auch noch kurz vor dessen Baccalauriusdisputation im Juli 1665.

Mit dem Weggang Strauchs nach Jena ergaben sich  für Leibniz zunächst keine weiteren keine Kontakt nach Braunschweig. Die Stadt  wurde erst wieder Jahre später für Leibniz von Bedeutung – im Zusammenhang mit der Welfengeschichte und seiner Tätigkeit als Bibliothekar in Wolfenbüttel.

Leibniz‘ Beziehungen zu Braunschweig, Wolfenbüttel und Salzdahlum sind eng mit der Person Herzog Anton-Ulrichs verbunden, der nach dem Tode seines Vaters Herzog August d.J. (dem Begründer der Wolfenbütteler Bibliothek) Mitregent seines Bruders Rudolf August war, nach dessen Tod ab 1704 allein regierte.

Zu intensiveren Gesprächen zwischen Anton Ulrich und Leibniz kam es, als Leibniz im Gefolge Herzog Ernst Augusts Anfang September 1690  bei einem Opernbesuch in Braunschweig mit anwesend war und die Büchersammlungen der Wolfenbütteler Herzöge besichtigen konnte. Bei dieser Gelegenheit wurde  ihm das Direktorat der Herzog August Bibliothek in Aussicht gestellt. Bereits am Oktober 1690 erhielt Leibniz von Herzog Ernst August, seinem hannoverschen Dienstherren, die offizielle Erlaubnis, die Bibliothekarsstelle in Wolfenbüttel übernehmen zu dürfen.

In einer Denkschrift entwarf Leibniz die Leitlinien seiner bibliothekarischen Tätigkeit, die zum einen darauf abzielte, eine planmäßige Erwerbsstrategie zu verfolgen, bei der es vor allem darauf ankam, die Qualität der Bücher im Auge zu haben, und zum zweiten die katalogmäßige Erschließung und Systematisierung des Bücherbestandes voran zu treiben. Zudem sollte die Bibliothek auch der Öffentlichkeit nicht nur zur Lektüre, sondern auch für Editionsarbeiten zur Verfügung stehen.

Leibniz hielt sich in den 90er Jahren des 17. Jahrhunderts nicht nur beruflich in Braunschweig und Wolfenbüttel auf. Er war häufiger Gast der Herzöge Rudolf August und Anton Ulrich  zum Weihnachts- oder Neujahrsfest.

Dass der kunstinteressierte Herzog Anton Ulrich eine zunehmende Begeisterung für Ostasiatika entwickelte, dürfte einerseits  der allgemein herrschenden Vorliebe fürstlicher Persönlichkeiten jener Zeit  an Chinoiserien entsprochen haben, ist aber möglicherweise auch auf den Einfluss von Leibniz zurückzuführen. Dass China ein wichtiges Gesprächsthema in dem von Anton Ulrich zwischen 1688 und 1694 erbauten Lustschloss Salzdahlum gewesen sein muss, geht aus der Korrespondenz zwischen dem Herzog und dem Universalgelehrten hervor. In den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts begann Anton Ulrich,  eine umfangreiche Ostasiatika-Sammlung in Salzdahlum zusammenzutragen, die heute Bestandteil des Herzog-Anton-Ulrich-Museums in Braunschweig ist.
Leibniz übernahm auch die Neuordnung der fürstlichen Handbibliothek im Schloss Salzdahlum, wobei er nach dem Muster der Herzog August Bibliothek verfuhr.

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