Digitale Edition: Autographen zur Geschichte, China und zur Spieltheorie aus Leibniz' Nachlass

Einleitung | Dank

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1. Faksimile
Einhart und seine Vita Caroli Magni
Aus dem Briefwechsel mit J. H. Schmincke (1710)
(Signatur: Ms XIII, 869, 4 Bl. 30)

2. Faksimile
Zur Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen
Aus dem Briefwechsel mit J. Fabricius (1697)
(Signatur: LBr. 251, Bl. 5 – 6)

3. Faksimile
Kenntnisstand der Wissenschaften in China
Leibniz’ Fragen an den Missionar Claudio Filippo Grimaldi S. J. (1689)
(Signatur: LBr. 330, Bl. 1 – 2)

4. Faksimile
Kenntnisstand der Wissenschaften in China
Leibniz’ Aufzeichnungen aus der Unterredung mit Claudio Filippo Grimaldi S. J. (1689)
(Signatur: LBr. 330, Bl. 40 – 41)

5. Faksimile
Regeln des Bassette-Spiels
Aus den privaten Aufzeichnungen von Leibniz
(Signatur: LH XXXV, 3a, 9, Bl. 5 – 6)

Einleitung


Leibniz lebt heute im allgemeinen Bewusstsein fort als großer Philosoph und – in zweiter Linie – als Erfinder der Infinitesimalrechnung und Konstrukteur der ersten Vier-Spezies-Rechenmaschine. Zeugnisse dieser Arbeiten sind
immer wieder vorgestellt worden. Insbesondere die von Leibniz zwar nicht erfundene, wohl aber nachdrücklich propagierte Verfahrensweise, alle natürlichen Zahlen durch 0 und 1 darzustellen, stößt im digitalen Zeitalter auf besonderes Interesse. Es handelt sich dabei um das Kernstück der sogenannten Dyadik, die Grundstruktur aller modernen Rechner.
Darüber wird nicht nur leicht vergessen, wieviel weiter Leibniz’ Horizont gespannt war, sondern auch mit welcher Liebe zum Detail er sich Themen widmete, die der heutige Leser nicht ohne weiteres mit ihm in Verbindung bringt, denen aber – teilweise über Jahrzehnte – sein unvermindertes Interesse galt. Die fünf von uns ausgewählten, in sich geschlossenen Texte aus drei Disziplinen mögen diesen „anderen Leibniz“ veranschaulichen.
Faksimile 1 und Faksimile 2 gehören zum Bestand der historischen Handschriften, die – anders als man meinen sollte – den mit Abstand größten Teil der von Leibniz hinterlassenen Manuskripte ausmachen. Der Brief zur Geschichte Karls des Großen schöpft aus Leibniz’ umfassender Kenntnis der Epoche und ihrer Zeugnisse, die er sich für seine mit dem Regierungsantritt Karls einsetzende, weit über die welfischen Belange hinausgreifende Reichsgeschichte erarbeitet hatte. Gerade umgekehrt verhält es sich mit dem folgenden Brief: Indem Leibniz den Ertrag seiner Lektüre eines
ihm übersandten Buches zu den Anfängen der Geschichte Siebenbürgens rekapituliert, denkt er schon weit darüber hinaus und formuliert Forschungsdesiderate. Dabei verweist der Vermerk auf Bl. 5r oben links bereits auf die geplante Verarbeitung des Briefes in einem seiner Reichsgeschichte vorzuschaltenden Kapitel zur Völkerwanderung.
Die Gesprächsaufzeichnung der Faksimiles 3 und 4, Fragen und Antworten, bilden den Auftakt zu Leibniz’ fast drei Jahrzehnte anhaltender Beschäftigung mit China und seiner Zivilisation. Stehen in der späteren Korrespondenz mit den Jesuitenmissionaren allgemeine Fragen nach Sinn und Möglichkeit des kulturellen Austauschs zwischen Ost und
West im Vordergrund, überwiegen hier noch technische und praktische Fragen sehr konkreter Natur. Sie legen ebenso Zeugnis ab von Leibniz’ umfassender Lektüre einschlägiger Literatur, die noch längst nicht vollständig erschlossen ist, wie von seiner Offenheit für naturwissenschaftliche und technische Probleme aller Art.
Faksimile 5 liefert in diesem Sinne ein Zeugnis für Leibniz’ Interesse auch an Fragen der angewandten Mathematik: die Regeln des im 17. Jahrhundert modischen, heute nicht mehr gespielten Kartenglücksspiels La Bassette. Hier belässt es Leibniz keinesfalls bei der Zusammenstellung der wichtigsten Regeln dieses Spiels, sondern er fragt nach den damit jeweils verbundenen Gewinnchancen beider Seiten und wägt Vor- und Nachteile alternativer Regeln ab.
Zu diesem Vorgehen veranlasst ihn einerseits ein spielerischer Erkenntnistrieb, andererseits ein moralisches Bedürfnis nach Interessenausgleich zwischen Bankhalter und Spieler.

Den ausgewählten Texten ist nicht nur gemeinsam, dass sie – gemessen am herkömmlichen Leibnizbild – überraschende Einblicke in Leibniz’ geistigen Kosmos erlauben. Charakteristisch für sie wie für einen erheblichen Teil des Nachlasses ist insbesondere ein Merkmal an der Grenze zwischen Inhalt und Form: Sie alle – wohl auch der zunächst als Reinschrift angelegte Entwurf von Faksimile 5 – verdanken ihr Entstehen einem Anstoß von außen.
Ob Brief, ob Gespräch, ob möglicherweise fürstlicher Auftrag – Leibniz’ Texte wachsen über ihre ursprüngliche Zweckbestimmung hinaus zu Aufzeichnungen eigenen Rechts, zu Erörterungen um der Sache willen, ja zum Programm (Faksimile 3 und 4) bzw. zum Bestandteil eigener Werke (Faksimile 2). Darin liegt die Rechtfertigung einer Untersuchung auch des letzten Exzerpts des Universalgelehrten im noch immer bei weitem nicht annähernd ausgeschöpften Bestand der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.
Dr. Malte-Ludolf Babin

Dank

Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek dankt folgenden Institutionen und Personen für die Unterstützung bei der Entstehung der Faksimile-Edition sowie der digitalen Fassung.
Die VGH sowie die VGH-Stiftung haben durch ihre finanzielle Förderung die Umsetzung der Idee erst ermöglicht.
Dank gilt dem Felix Meiner Verlag, Hamburg, sowie dem Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover, die beide ihr Einverständnis zur Nutzung der in ihren Publikationen bereits wissenschaftlich aufgearbeiteten Texte und Übersetzungen gaben.

Herzlicher Dank gebührt Dr. Heinz-Jürgen Heß für Text und Übersetzung zum Bassette-Spiel. Zudem sei besonders Dr. Malte-Ludolf Babin für das Erstellen der Einleitungstexte sowie für die gesamte inhaltliche Betreuung des Projektes gedankt. Dr. Gerd van den Heuvel, Dr. Friedrich Hülsmann und Dr. Reinhard Laube danke ich für gute Ideen und deren konsequente Umsetzung, Anja Fleck, Marita Simon und Maike Kandziora für redaktionelle Unterstützung.
Dr. Georg Ruppelt

Diese Edition wurde gefördert durch: