Das Leibnizhaus früher und heute

Wann das Haus in der Schmiedestraße 10 erbaut wurde, ist nicht bekannt, sicher ist jedoch, dass es aus dem 14. Jahrhundert stammt und dass die schmuckvolle Fassade 1652 aufwändig umgestaltet wurde. Im Jahre 1698 ließ Kurfürst Georg Ludwig von Hannover einige Räume in dem der Familie von Lühde gehörenden Haus anmieten, um dort die kurfürstliche Bibliothek und die Wohnung für seinen Bibliothekar einrichten zu lassen. Über die Einrichtung seiner Räume und die Wohnqualität ist so gut wie nichts bekannt, lediglich einige wenige Hinweise auf das Mobiliar existieren, so z. B., dass Leibniz sich für seine zahlreichen Notizzettel einen besonderen Schrank bauen.

1719 zog die königliche Bibliothek in das neu errichtete Archivgebäude am heutigen Waterlooplatz um. Nach Leibniz´ Tod wurde seinem Wohn- und Sterbehaus keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Dies änderte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als König Ernst August von Hannover das Haus mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit kaufte, in Stand setzen und eine Tafel mit dem Hinweis auf das Wohn- und Sterbehaus von Gottfried Wilhelm Leibniz anbringen ließ. 1866 wurde das Gebäude Eigentum des preußischen Staates, 1893 schließlich Museum des Kunstgewerbevereins. Mit einigen Möbeln und historischen Gegenständen wurde ein Zimmer Leibniz’ Wohn- und Sterbezimmer nachempfunden.

1943 wurde das Leibnizhaus bei einem Bombenangriff zerstört, einige Reliefs der Fassade konnten zwar gerettet werden, doch 1964 wurden die Überreste des Hauses vollständig abgerissen und ein Parkhaus dort errichtet. Seit dem ersten internationalen Leibnizkongress im Jahre 1966 in Hannover wurden die Stimmen für einen Wiederaufbau des Leibnizhauses immer lauter. 1981 begannen schließlich die Bauarbeiten, zwei Jahre später war der Bau mit der originalgetreuen Fassade fertig gestellt, allerdings nicht am ursprünglichen Ort, sondern am nahe gelegenen Holzmarkt.

Heute nutzen die hannoverschen Hochschulen das Leibnizhaus mit den benachbarten Häusern als Gäste- und Veranstaltungsort. Die Leibniz Universität verwaltet das Gebäude. Im Eingangsbereich ist eine kleine Leibniz-Ausstellung zu sehen. Neben Porträts und einigen Reproduktionen von Leibniz-Handschriften befindet sich dort ein Nachbau der Rechenmaschine aus den 1950er Jahren, Leibniz’ Reise-Klappsessel, ein Modell des Leibnizhauses sowie ein Abguss von Leibniz’ vermutlichem Schädel. Besichtigungen sind auf Anfrage möglich.

Das Haus steht mit einer weitren berühmten Persönlichkeit in Verbindung: Im Jahre 1759 wurde hier der Schauspieler, Dramatiker und Theaterdirektor August Wilhelm Iffland (1759-1814) geboren.