Leibniz-Grabstätte in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis

Leibniz’ Grabstätte befindet sich in der evangelisch-lutherischen Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover in der Roten Reihe 8. Die Kirche wurde in den Jahren 1666 bis 1670 für die evangelisch-lutherischen Hofbeamten und die Gemeinde der Calenberger Neustadt gebaut, nachdem der katholische Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg 1665 die Regierung im protestantischen Fürstentum Calenberg übernommen hatte. Damit wurde auch die bis dahin protestantische Hofkapelle im Leineschloss, dem Regierungssitz des Herzogs, katholisch und stand für protestantische Gottesdienste nicht mehr zur Verfügung.

Nach Leibniz’ Tod am 14. November 1716 wurden seine sterblichen Überreste am darauf folgenden Abend in einem provisorischen Tannensarg in die Neustädter Hof- und Stadtkirche gebracht, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Begräbnisstätte der Hofbeamten, Hofprediger und Generalsuperintendenten war. Die eigentliche Beerdigung fand so erst einen Monat später, am 14. Dezember 1716, statt. Die Vorbreitungen wurden von leibniz’ letztem Mitarbeiter Johann Georg Eckhart vorgenommen, der für Leibniz einen besonders verzierten Sarg anfertigen ließ, von dem es eine ausführliche Beschreibung gibt. Den Trauergottesdienst hielt der Oberhofprediger David Ruprecht Erythropel (1670-1729). Zu dieser Feier waren auch alle Hofbeamten geladen worden, von denen jedoch niemand erschien.

Der Sarg wurde in einer Gruft versenkt und mit einer schlichten, unbeschrifteten Sandsteinplatte bedeckt. Die von Leibniz gewünschte Aufschrift OSSA LEIBNITII (die Gebeine von Leibniz), die heute noch auf der Grabplatte zu sehen ist, wurde erst um 1790 auf der Platte angebracht. Bei Renovierungsarbeiten, die 1902 bis 1904 in der Kirche durchgeführt wurden, wurde das in Vergessenheit geratene Leibnizgrab wiederentdeckt. Es wurde geöffnet und untersucht, vor allem, um seine Echtheit zu überprüfen. Vom Schädel wurden Abgüsse angefertigt. Die Gebeine wurden in einer bronzene Truhe erneut beigesetzt. Ihre Echtheit ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, aber wahrscheinlich. Nach weiteren umfangreichen Renovierungsarbeiten in der Neustädter Kirche in den Jahren 1990 bis 1994 wurde das Grab, das sich ursprünglich im Mittelgang vor dem Altarraum befand, an die Südseite vor den Altarraum verlegt. Das Leibnizporträt neben der Grabstätte, eine Kopie des Gemäldes von Johann Friedrich Wentzel (1653-1732) aus Berlin, stammt aus dem Jahre 2006 und wurde von dem hannoverschen Künstler Prof. Dr. Rolf-Hermann Geller angefertigt; er gestaltete auch die Schrifttafel mit den wichtigsten Informationen zu Leibniz. An der nördlichen Emporenwand befindet sich das Epitaph des Oberhofpredigers David Ruprecht Erythropel, der die Predigt bei Leibniz’ Beerdigung in dieser Kirche hielt.