Große Fontäne

Die große Fontäne im Großen Garten von Herrenhausen ist zwar nicht das Werk von Gottfried Wilhelm Leibniz, aber er lieferte die entscheidenden Ideen dafür. Mehrere Garten- und Brunnenmeister waren bereits an der Wasserversorgung der Gärten für üppiger sprudelnde Wasserspiele gescheitert, als Leibniz schließlich auf Geheiß von Kurfürstin Sophie im Jahre 1696 den Plan für einen von der Leine abzuzweigenden Stichkanal von Limmer nach Herrenhausen vorlegte. Mit der „Wasserkunst“ entwarf Leibniz ein zweistöckiges Pumpwerk mit vier Pumpen am Stichkanal, die von einem Wasserrad von zehn Metern Durchmesser angetrieben werden sollten, von denen zwei das Wasser aus dem Wasserspeicher in Höhe des Stichkanals in ein Wasserbecken in zwölf Meter Höhe pumpen, von wo es teilweise über ein „Gefluder“ (Aquädukt) in das Vorratsbecken im Westen der Gärten fließt. Die beiden anderen Pumpen heben das Wasser für die von Kurfürstin Sophie gewünschte hohe Fontäne in ein höheres Becken im Turm des Pumpenhauses in 18 Meter Höhe. Dieses Becken ist als geschlossener Windkessel ausgelegt, in dem durch die Kompression der Luft der Wasserdruck im Kessel so erhöht wird, dass der Wasserstrahl der in 350 Meter Entfernung befindlichen Fontäne nach Leibniz’ Berechnungen die enorme Höhe von 35 Metern erreichen sollte. Zu Leibniz’ Lebzeiten wurde das Projekt nicht mehr realisiert, dies ermöglichten von 1718 bis 1720 aber englische Ingenieure, die 40 Pumpen zum Einsatz brachten und die Fontänenhöhe von 35 Metern erreichten.

Als Konstrukteur der Herrenhäuser Wasserspiele gilt heute der Ingenieur Christian Böhme, der die Pläne von Leibniz im Grundsatz weiterführte. Ein Holzmodell der Pumpen aus dem Jahre 1730 befand sich bis 2005 im Besitz des Welfenhauses, wurde dann an die Stadt Hannover verkauft und wird im Historischen Museum restauriert. Im Jahre 1856 wurde ein neues Pumpenhaus neben dem Stichkanal gebaut, das heute noch existiert, wegen Baufälligkeit aber derzeit geschlossen ist. Die beiden großen hölzernen Wasserräder versorgen auch heute noch die Graften auf beiden Seiten des Gartens mit Wasser aus der Leine. Eine Hinweistafel an der Herrenhäuser Wasserkunst erinnert an den Ideengeber Gottfried Wilhelm Leibniz. Die heutige Pumpanlage ist in einem unterirdischen Raum unweit der Fontäne untergebracht.