Leibniz Katalog - MOW Memory ot the World

Im Rahmen des Projektes LeibnizCentral präsentiert die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek einen neuen Katalog, der die zum Weltdokumentenerbe gehörende Korrespondenz des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz in Zukunft nachweisen wird.

Als Gottfried Wilhelm Leibniz im November 1716 starb, bildete die umfangreiche Korrespondenz mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit das Herzstück seines schriftlichen Nachlasses. Dieser Nachlass blieb erhalten und gehört seit Leibniz’ Tod zu den zentralen und häufig genutzten Beständen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Neben der inhaltlichen Bedeutung war die Vollständigkeit des Briefwechsels Grund dafür, dass die UNESCO 2007 die gesamte Korrespondenz von Gottfried Wilhelm Leibniz in das Memory of the World Register aufgenommen hat.

Schon Leibniz hielt seine Korrespondenz für wertvoll und überlieferte sie der Nachwelt. Es ist leider nicht nachvollziehbar, in welcher Ordnung Leibniz Briefe und Konzepte aufbewahrte. Für die Leibnizforschung war entscheidend, dass Eduard Bodemann 1896 einen Katalog und damit auch eine neue Ordnung vorlegte: „Der Briefwechsel des Gottfried Wilhelm Leibniz in der Königlichen öffentlichen Bibliothek zu Hannover“. Nach über einhundert Jahren werden jedoch die Grenzen dieser Ordnung in der täglichen Arbeit sichtbar. Der benutzerfreundliche Zugriff auf das gesamte Weltdokumentenerbe muss gewährleistet und die Materialien konservatorisch einwandfrei geordnet und gelagert sein. Diese Auflagen der UNESCO werden mit einer neuen Strategie erfüllt.

Zu diesem Zweck werden die einzelnen Korrespondenzen einheitlich geordnet. Grundlage dieser Ordnung ist die alphabetische Liste der Leibniz-Korrespondenten, deren variierende Schreibweisen durch ein normiertes Namensverzeichnis der Deutschen Nationalbibliothek kontrolliert werden. Die Korrespondenzen werden entsprechend der Vorgaben der UNESCO katalogisiert, digitalisiert, nach Möglichkeit mit weiteren Textfassungen versehen und über eine internetfähige Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Ziele des Gesamtprojektes Leibniz Katalog-MOW sind:

  • Zusammenführung des Gesamtbestandes Leibniz-Korrespondenz

  • Korrektur von Fehlern in der tradierten Aufstellung

  • Ansetzung von normierten Personennamen

  • Konzeption eines flexiblen und ausbaufähigen Aufstellungssystems

  • Aufbau eines Kataloges

  • Einbindung von Digitalisaten nach DFG-Richtlinien

  • Einbindung vorhandener Textfassungen

  • Verlinkung zu digital edierten Texten

  • Konkordanzen bisher vergebener Signaturen

  • Nachweis bisher vergebener Identnummern einzelner Autographen

  • Aufbau des Kataloges zu einem Angebot als Editionsinstrument

  • Einbindung des Kataloges in nationale und internationale Kataloge

  • Aufbau des Kataloges zu einem Angebot als Nachweisinstrument sämtlicher Leibniz- Autographen

In einem Datenbankformat, das die Anforderungen der Leibnizforschung abbildet, wird ein zeitgemäßer Zugriff auf die Daten angeboten. Moderne Schnittstellentechnologien und die Verwendung eines offenen XML-Standards gewährleisten den nachhaltigen Zugriff auf die Daten. Die fortschreitende Anreicherung der Katalogisate mit Digitalisierungsdaten, Textfassungen, bibliographischen Angaben zu Drucken und Sekundärliteratur ermöglicht die zentrale Verzeichnung von Informationen. Die Editionsergebnisse der Leibniz Akademie-Ausgabe, die stabil im Netz erreichbar sind, werden mit den zugehörigen Katalogdaten verknüpft. Gegenwärtig erfüllt die Reihe VIII der Akademie-Ausgabe die dafür notwendigen Anforderungen.

Exemplarisch wurden drei Korrespondenzen in diesem neuen Katalog erschlossen. Es handelt sich um die Korrespondenzen, die Leibniz mit Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg, mit dem Chinamissionar Joachim Bouvet S. J. und mit dem Mathematiker Jakob Bernoulli geführt hat. Für die Korrespondenzen mit Herzog Johann Friedrich und Joachim Bouvet wurden edierte Textfassungen der Briefe den Katalogisaten beigefügt. Für die Korrespondenz mit Jakob Bernoulli hat der Birkhäuser-Verlag der Nachnutzung einer dort erschienenen Edition in LeibnizCentral leider nicht zugestimmt.

Im Zuge der Bearbeitung dieser drei Korrespondenzen wurde deutlich, welchen Gewinn eine Neukatalogisierung für das allgemeine Publikum und die Leibniz-Forschung hat. Die Stücke wurden allgemeinverständlich und eindeutig beschrieben, der Stand der Forschung abgebildet, Bilder und edierte Texte nach dem Stand der Verfügbarkeit eingebunden und Fehlzuweisungen korrigiert.

Im Rahmen eines Projektes müssen diese Arbeiten – zunächst für das Weltdokumenten- erbe „Leibniz-Korrespondenz“ – fortgeführt werden. Der weltweiten Forschung zu Leibniz und zur Frühen Neuzeit, aber auch der interessierten Öffentlichkeit werden so gänzlich neue Perspektiven auf das Weltdokumenterbe eröffnet.


Projektdurchführung: Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek und Kooperationspartner

Laufzeit: 2010ff.