Schloss Herrenhausen

Unter Herzog Georg von Calenberg wurde seit 1638 im vier Kilometer von der hannoverschen Altstadt entfernt liegenden Dorf Haringehusen, dem späteren Herrenhausen, mit der Anlage eines herzoglichen Vorwerks begonnen. Während der Regierungszeit seines Sohnes Johann Friedrich entstand hier ein erster Fachwerkbau, der in mehren Stufen zum Sommerschloss aus- und umgebaut wurde. Von 1694 bis 99 wurde ein Orangeriegebäude erbaut, das später zum Festsaal umgestaltet wurde. 1720 bis 23 wurde schließlich eine neue Orangerie errichtet. Von 1819 bis 1820 ließ Hofbaumeister Georg Ludwig Laves das Schloss im Stil des Klassizismus umgestalten. Das Schloss blieb nach der Annexion Hannovers durch Preußen 1866 weiterhin in welfischem Besitz, auch, als der Große Garten 1936 an die Stadt verkauft wurde. 1943 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff zerstört, seine Ruinen mit dem dazugehörigen Grundstück nach dem Krieg vom Welfenhaus ebenfalls an die Stadt Hannover verkauft, die die Reste gänzlich abreißen ließ. Gottfried Wilhelm Leibniz war ein häufiger Gast im Schloss Herrenhausen, sei es zur Audienz bei Kurfürstin Sophie oder auf Einladung zu philosophischen Diskussionen z. B. 1696 mit dem niederländischen Philosophen Francois Mercure van Helmont. In Herrenhausen legte Leibniz 1698 seine Denkschrift über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des lutherischen und reformierten Bekenntnisses vor und traf im Sommer 1716 Zar Peter I. von Russland zu Gesprächen über technische Entwicklungen, Geographie, Astronomie und das Lieblingsthema des Zaren, die Schifffahrt. Bekannt sind auch Leibniz’ Gespräche, mit denen er die hannoversche Hofgesellschaft in Herrenhausen zu unterhalten pflegte, z. B. darüber, dass sich kein Blatt finden ließe, das dem anderen genau gleiche.

Nach jahrelangen Diskussionen wurde am 23.November 2007 der Plan zum Wiederaufbau des Schlosses Herrenhausen öffentlich vom Oberbürgermeister der Stadt Hannover, Stephan Weil, und dem Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Wilhelm Krull, vorgestellt. Demnach übernimmt die VolkswagenStiftung die Finanzierung des Bauprojektes in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro; die Stadt Hannover ist bereit, das Grundstück im Erbbaurecht auf 99 Jahre kostenfrei zu überlassen. Geplant ist die Rekonstruktion der von Laves entworfenen klassizistischen Fassade, die Räumlichkeiten dagegen sollen den Ansprüchen einer modernen Nutzung als Tagungszentrum und Museum zur Welfengeschichte mit einer Leibniz-Ausstellung gerecht werden. Das Bauvorhaben soll 2012 abgeschlossen sein.