Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek

„…ich bin nicht gewohnt, mich gewissen politischen Launen einiger grosser Herren zu unterwerfen.“ – Mit diesem von dem Künstler Jürgen Breuste in eine Granitplatte gemeißelten Leibniz-Zitat wird der Besucher der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek empfangen.

Ihren Ursprung hat die Bibliothek in der 1665 von Herzog Johann Friedrich zu Braunschweig-Lüneburg für die welfischen Herzöge gegründeten Hofbibliothek. Leibniz übernahm 1676 den Posten als Bibliothekar und übte diese Tätigkeit bis zu seinem Tode 1716 aus. Unter seinen Nachfolgern waren bedeutende Wissenschaftler wie der Philosoph Johann Georg Heinrich Feder (1740-1821) und der Historiker Georg Heinrich Pertz (1795-1876). Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Land Niedersachsen im Jahre 1947 die Trägerschaft der Niedersächsischen Landesbibliothek, die sich damals noch mit im Gebäude des Hauptstaatsarchivs Hannover befand und im Jahre 1976 das neue Gebäude in der Waterloostraße bezog. Die Bibliothek beherbergt heute rund zwei Millionen Medieneinheiten und zählt damit zu den größten Regionalbibliotheken Deutschlands. Seit 2005 heißt sie offiziell Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landebibliothek. Der hier befindliche schriftliche Nachlass von Leibniz wurde 2007 zum Weltdokumentenerbe „Memory of the World“ erklärt. Insgesamt umfasst der Nachlass rund 50.000 Stücke mit ca. 200.000 Blatt. Darunter befinden sich Manuskripte zu all seinen Schriften und etwa 15.000 Briefe, außerdem noch die Bücher seiner Privatbibliothek. Dem aus heutiger Sicht glücklichen Umstand, dass der englische König und hannoversche Kurfürst Georg I. nach Leibniz’ Tod dessen Schriften beschlagnahmte, um politische Interna unter Verschluss zu halten, ist es zu verdanken, dass der Nachlass heute in dieser umfangreichen Form vorliegt. Der Gelehrtennachlass gilt als einer der größten seiner Art überhaupt. Das Leibniz-Archiv ist eine Abteilung der Bibliothek und wird von der Göttinger Akademie der Wissenschaften finanziert. Sie ediert neben den Arbeitsstellen in Berlin, Potsdam und Münster wie die Briefe und Werke von Leibniz. In der Bibliothek befindet sich auch die Geschäftsstelle der Leibniz-Gesellschaft. Derzeit finden umfangreiche Baumaßnahmen statt, die u. a. auch dazu dienen, Raum für eine Präsentation von Leibniz-Cimelien zu schaffen. Weiterhin werden im Rahmen der Verpflichtungen, die mit der Ernennung des Nachlasses zum Weltdokumentenerbe bestehen, die Briefe des Gelehrtenschriftwechsels digitalisiert und ins Internet gestellt.

Sichtbar erinnert an Leibniz in der Bibliothek: eine Leibniz-Büste von Gustav Seitz im Foyer, ein Leibniz-Stich von Martin Bernigeroth in der Reihe der Bibliotheksdirektoren im Treppenaufgang zum Katalogsaal, ebendort ein Modell der Leibniz’schen Horizontalwindmühle, gebaut von G. Bumbullis nach Ulrich Horst und Jürgen Gottschalk, weiterhin am Eingang zum Molanus-Lesesaal eine Leibniz-Büste des Bildhauers Johann Gottlieb Schmidt (Bronzekopie) und ein Modell der Rechenmaschine als Nachbau - das Original ist unter Verschluss.