VGH-Gebäude am Schiffsgraben

Wer sich für die Textpasssage aus der Leibniz’schen Monadologie unmittelbar vor dem Zitat am Historischen Museum interessiert, wird am Gebäude der VGH Hannover am Schiffgraben 4 (Nähe Aegidientorplatz) fündig. An der Fassade befindet sich ein ebenfalls von Joseph Kosuth installiertes 30 Meter langes Leuchtkunstwerk mit den Worten aus der Monadologie § 68:

„Obwohl die Erde und die Luft, die zwischen den Pflanzen des Gartens sind, oder das Wasser, das zwischen den Fischen des Teiches ist, weder Pflanze noch Fisch sind, enthalten sie doch wieder Pflanzen und Fische, wenn auch meist in einer nicht wahrnehmbaren Feinheit.“

Der moderne Gebäudekomplex aus dem Jahre 1972 lässt zunächst keine direkte Verbindung zu Leibniz vermuten. Aber: Der Ideengeber der im Jahre 1750 im Kurfürstentum Hannover gegründeten „Brand-Assecurations-Sozietät“ war Gottfried Wilhelm Leibniz. Seine Anregungen wurden Mitte des 18. Jahrhunderts von dem evangelischen Abt des Klosters Loccum, Georg Ebell, in seiner Funktion als Vorsitzender der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft realisiert und dienten weiteren Versicherungsgründungen als Vorbild. Leibniz’ Formeln zur Brandversicherung, zuerst entstanden in London, werden noch heute verwendet. Die VGH Versicherungen entstanden als Gruppe vor gut 50 Jahren durch den Zusammenschluss der 1750 gegründeten Landschaftlichen Brandkasse Hannover und der provinzial Lebensversicherung Hannover von 1918. Gemeinsam mit der provinzial Lebensversicherung Hannover AG (1996) und der Provinzial Pensionskasse AG (2002) bilden sie unter einem Markendach die größte Einheit der öffentlichen Versicherer in Niedersachsen. Auch wenn heute kein unmittelbarer Bezug zwischen dem Versicherungsgebäude und Leibniz erkennbar ist, so kann man dennoch davon ausgehen, dass Leibniz gerade den Bereich des Schiffgrabens, des alten Wasserweges vom Isernhagener Moor in die Stadt Hannover, häufig passiert haben dürfte, denn sein Garten, der spätere „Giesekens Garten“, in dem er Tabak und Maulbeerbäume für seine Seidenraupenkulturen anpflanzen ließ und in dem er häufig anzutreffen war, lag vor dem Aegidientor.