Das Leineschloss

Die erste urkundliche Erwähnung des Platzes an der Leine, an dem später das Leineschloss errichtet wurde, stammt aus dem Jahre 1300 im Zusammenhang mit der Errichtung eines Minoritenklosters. Dieses bestand dort bis zur Reformation in der Stadt Hannover im Jahre 1533 und wurde in der Folgezeit unterschiedlich genutzt. Das änderte sich, als 1635 Herzog Georg zu Braunschweig-Lüneburg bei einer welfischen Erbteilung das Fürstentum Calenberg erhielt, ein Jahr später Hannover als seine Residenzstadt wählte und das ehemalige Kloster zur Residenz umbauen ließ. Unter seinem drittgeborenen Sohn, dem zum Katholizismus konvertierten Johann Friedrich, wurden weitere Umbauten vorgenommen.

In der Schlossanlage wurde ein Kapuzinerkloster eingerichtet, das jedoch von Johann Friedrichs Bruder und Nachfolger, dem späteren Kurfürsten Ernst August, 1680 wieder aufgelöst wurde. Seit 1668 bemühte sich Herzog Johann Friedrich, Gottfried Wilhelm Leibniz als Bibliothekar an seinen Hof in Hannover zu berufen. Mehrere Male lehnte Leibniz das Angebot ab, bis er schließlich im Jahre 1676 zusagte. Im Dezember desselben Jahres bezog er die Bibliotheksräume im Schloss, die ihm sowohl als Wohn- als auch als Arbeitsstätte dienten. 1688 wurden die Bibliothek und die Einrichtung seiner Wohnung wegen umfangreicher Baumaßnahmen in ein anderes Haus in der Leinstraße, später in die Schmiedestraße umquartiert. Leibniz machte für den neu zu konzipierenden Rittersaal im Schloss mehrere zeichnerische Entwürfe zur Anordnung der Deckengemälde mit den Porträts der welfischen Fürstenfamilie. Als Kurfürst Georg Ludwig im Jahre 1714 als Georg I. den Königsthron von Großbritannien und Irland bestieg und die englisch-hannoversche Personalunion begründete, wurde Hannover zur Residenz ohne Regenten. Am Leineschloss änderte sich in den folgenden 123 Jahren kaum etwas. Erst die gesteigerte Bedeutung des Königreichs Hannover seit dem Wiener Kongress machte die repräsentative Herrichtung des Leineschlosses wieder notwendig, die von dem Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves umgesetzt wurde. Während des 19. Jahrhunderts wurden einige bauliche Veränderungen und Erweiterungen am Schloss vorgenommen. Am 26. Juli 1943 wurde das Leineschloss bei einem amerikanischen Bombenangriff bis auf Teile der Fassade vollständig zerstört, von 1957 bis 1962 der Neubau nach Plänen des hannoverschen Architekten Dieter Oesterlen errichtet und am 11. September 1962 als Parlamentsgebäude des Niedersächsischen Landtags feierlich eingeweiht. Der ehemalige Repräsentationssaal heißt seit 2005 offiziell „Leibniz-Saal“. Er ist öffentlich nicht zugänglich, jedoch können auf Voranfrage Gruppenführungen vereinbart werden. Auf einem modern gestalteten Tryptichon im Leibniz-Saal werden die wichtigsten historischen Stationen des heutigen Bundeslandes Niedersachsen dargestellt. Zu sehen sind dort weiterhin eine Reproduktion des „Act of Settlement“, der welfischen Sukzessionsurkunde, der Leibniz’schen Entwürfe für die Gestaltung des Rittersaals sowie eine von Laves im 19. Jahrhundert für den Rittersaal in Auftrag gegebene Kopie eines Deckengemälde mit dem Porträt Herzog Georg Wilhelms von Lüneburg (Celle) und schließlich eine Kopie einer von dem hannoverschen Bildhauer Johann Gottfried Schmidt um 1788 geschaffenen Leibniz-Büste. Im Foyer erläutern Schautafeln den ursprünglichen Grundriss und die verschiedenen baulichen Veränderungen.